Das Interesse an diesem Konzert war schon im Vorfeld außergewöhnlich groß. Das Carlswerk Victoria in Köln war restlos ausverkauft – und nicht wenige der Anwesenden dürften ihr Ticket vor allem wegen eines Namens gekauft haben: Keanu Reeves. Der Hollywood-Star, bekannt aus Filmen wie Matrix oder John Wick, steht seit einigen Jahren wieder mit seiner Band Dogstar auf der Bühne und übernimmt dort den Bass. Doch wer am gestrigen Abend lediglich gekommen war, um einen Filmstar aus nächster Nähe zu erleben, bekam schnell vor Augen geführt, dass Dogstar weit mehr sind als „die Band mit Keanu Reeves“.
Denn Dogstar präsentierten sich als eingespielte Rockband, die ihre Musik bewusst in den Mittelpunkt stellt. Ohne übertriebene Showeffekte, ohne große Gesten oder spektakuläre Bühnenelemente. Stattdessen standen ehrliche Songs, eine entspannte Atmosphäre und drei Musiker auf der Bühne, die sichtlich Freude daran haben, gemeinsam Musik zu machen.
Bereits der Opener „Siren“ machte deutlich, wohin die Reise gehen sollte. Druckvolle Gitarren, eingängige Melodien und eine angenehm unaufgeregte Bühnenpräsenz bestimmten den Abend. Mit „Lust“, „How the Story Ends“ und „Everything Turns Around“ folgte direkt eine starke Anfangsphase, in der Dogstar ihren modernen Alternative-Rock mit Einflüssen aus Grunge und klassischem amerikanischen Rock souverän präsentierten.
Was dabei besonders auffiel: Keanu Reeves suchte zu keinem Zeitpunkt das Rampenlicht. Während viele Augen naturgemäß immer wieder auf ihn gerichtet waren, hielt sich der Bassist bewusst im Hintergrund. Keine Starallüren, keine inszenierten Momente für die Kameras, sondern konzentriertes Musizieren. Man hatte den Eindruck, dass Reeves den Abend vor allem deshalb genoss, weil er genau das tun konnte, was ihm offensichtlich am Herzen liegt – gemeinsam mit seinen Bandkollegen Musik machen.
Gerade das machte einen großen Teil der Authentizität des Konzerts aus. Natürlich gingen während des gesamten Abends unzählige Smartphones in die Höhe, sobald Reeves an den Bühnenrand trat. Einige Besucher schienen tatsächlich mehr daran interessiert zu sein, ein Foto des Schauspielers zu ergattern als sich auf die Musik einzulassen. Das war insofern schade, als Dogstar musikalisch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Songs wie „Joy“, „Wing“, „This Sphere“ oder das atmosphärische „Blonde“ zeigten eindrucksvoll, dass das Songwriting der Band weit über den Prominentenstatus ihres Bassisten hinausgeht. Die Stücke leben von starken Melodien, dichten Gitarrenflächen und einer angenehm melancholischen Grundstimmung. Alles wirkt organisch und ehrlich, nie überproduziert oder künstlich aufgeblasen.
Mit „Glimmer“, „Math“ und „The Whisper“ hielten Dogstar das Niveau konstant hoch. Sänger Bret Domrose überzeugte mit seiner warmen Stimme, während Gitarrist und Schlagzeuger Robert Mailhouse gemeinsam mit Reeves ein solides Fundament legten. Die Band funktionierte als Einheit – genau das, was guten Rock ausmacht.
In der zweiten Konzerthälfte wurde die Stimmung noch einmal intensiver. „Shards of Rain“, „Exalted“, „Runway“, „What Is“ und „Marmalade“ sorgten für abwechslungsreiche Momente zwischen ruhigen Passagen und kraftvollen Gitarrenwänden. Besonders angenehm war dabei, dass Dogstar nie versuchten, mehr sein zu wollen als sie sind. Keine künstlichen Ansagen, keine Effekthascherei, sondern einfach ehrliche Livemusik.
Mit „All in Now“ verabschiedete sich die Band zunächst unter großem Applaus, bevor sie für drei Zugaben auf die Bühne zurückkehrte. „Punch the Sky“, „Shallow Easy“ und schließlich „Breach“ bildeten einen gelungenen Abschluss eines rund zweistündigen Konzerts, das vor allem musikalisch überzeugen konnte.
Dogstar mögen keine Band sein, die mit gigantischen LED-Wänden, Feuerwerk oder perfekt choreografierten Showelementen arbeitet. Genau darin liegt aber auch ihr Reiz. Sie setzen auf handgemachte Rockmusik, starke Songs und eine spürbare Freude am gemeinsamen Spielen. Dass Keanu Reeves dabei auf der Bühne steht, ist zweifellos ein besonderer Bonus und sorgt für Aufmerksamkeit. Doch wer Dogstar ausschließlich darauf reduziert, wird der Band nicht gerecht.
Am Ende des Abends blieb vor allem die Erkenntnis, dass Dogstar ihren Platz nicht wegen eines Hollywood-Stars verdient haben, sondern wegen ihrer Musik. Keanu Reeves wirkte dabei nie wie der Mittelpunkt, sondern wie ein Musiker unter Freunden – bodenständig, zurückhaltend und mit sichtbarer Leidenschaft für das, was auf der Bühne passierte.
Das Kölner Publikum spendete am Ende verdienten Applaus für eine Band, die vielleicht keine spektakuläre Rockshow liefert, dafür aber etwas, das inzwischen fast schon selten geworden ist: Authentizität. Wer sich darauf einließ, erlebte einen rundum gelungenen Konzertabend und konnte feststellen, dass Dogstar eben weit mehr sind als nur die Band von Keanu Reeves.
Setlist:
01. Siren
02. Lust
03. How the Story Ends
04. Everything Turns Around
05. Joy
06. Wing
07. This Sphere
08. Blonde
09. Glimmer
10. Math
11. The Whisper
12. Shards of Rain
13. Exalted
14. Runway
15. What Is
16. Marmalade
17. All in Now
Encore:
18. Punch the Sky
19. Shallow Easy
20. Breach
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